Dividenden Aristokraten

Dividenden Aristokraten sind Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren jährlich erhöht haben. Dieses Vorgehen lässt auf ein grundsolides Geschäftsmodell schließen und wird von vielen Anlegern gerne als Qualitätsmerkmal genutzt, um gezielt in diese Werte zu investieren. Statt Nullzins erhält man so eine Dividendenrendite um 2,5 %, die jährlich steigt und aufgrund des Aristokratenstatus als extrem sicher angesehen wird.

Aus meiner Sicht ist um diese Aristokraten – bei denen es sich durchweg um US Werte handelt – ein regelrechter Hype entstanden. Leider werden dabei von unerfahrenen Anlegern einige wesentliche Aspekte ausgeblendet.

Es gibt momentan 51 Dividenenaristokraten, von denen der Großteil aus dem Bereichen „Konsum“, „Industrie“ und „Gesundheit“ stammt. Sie alle zeichnen sich durch individuelle Erfolgsgeschichten aus, die es ihnen ermöglicht haben, Spitzenpositionen in ihren Industriezweigen zu besetzen und dadurch steigende Umsätze und Gewinne und somit auch Dividenden zu erwirtschaften. Viele von ihnen sind jedem bekannt, egal ob er sich für Aktien interessiert oder nicht. Es geht um Unternehmen wie Coca-Cola, Mc Donalds oder Walmart.

Das Problem bei dieser Art des Investierens ist, dass der Blick auf die Dividendenhistorie immer ein Blick in den Rückspiegel ist. Kein Unternehmen hat eine Garantie, auch weitere 25 Jahre Marktführer zu bleiben, nur weil es dies in den vergangenen 25 Jahren war. Beispiele wie Nokia oder Kodak zeigen dies eindrucksvoll. Die Aristokraten wären allesamt bei einem Einstieg vor 20 Jahren ein wunderbares Investment gewesen, sie hätten sich im Wert vervielfacht und würden bezogen auf den Kaufpreis traumhaft hohe Dividendenrenditen abwerfen. Diese Entwicklung der letzen 25 Jahre darf aber auf gar keinen Fall undifferenziert in die Zukunft fortgeschrieben werden. Häufig werden die Dividendensteigerungsraten der vergangenen Jahre genutzt, um zukünftige Dividenden zu prognostizieren. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Aristokraten teilweise ihre „besten Jahre“ bereits hinter sich haben könnten. Nicht umsonst verlassen ständig Unternehmen den exklusiven Kreis, nachdem sie ihre Dividende nicht weiter erhöht haben oder sogar kürzen mussten. Ein Warnzeichen sind dabei fehlendes Wachstum und eine kontinuierliche Erhöhung der Payout-Ratio (also des Anteils des Gewinns, der für die Dividendenausschüttung genutzt wird).

Durch den momentanen Dividendenhype sind die Bewertungen einiger Aristokraten bereits deutlich gestiegen, da vielen Investoren eine Dividendenrendite von beispielsweise 3,5% als Kaufkriterium ausreicht, ein KGV von 25 wird dafür dann gerne in Kauf genommen. Der Denkfehler liegt darin, die Vergangenheit einfach gedanklich in die Zukunft fortzuschreiben und den Aristokraten dabei einen gewissen Anleihecharakter zuzuschreiben. Leider kann aber auch der Kurs eines Dividendenaristokraten um 50% einbrechen und die Dividende kann gekürzt werden. Beliebte Werte wie Coca-Cola, Colgate-Palmolive oder Kimberly-Clark haben beispielsweise in den vergangenen Jahren große Probleme gehabt, weiteres Wachstum zu generieren und ihre Fremdkapitalquoten erhöht, während die Zuwachsraten bei den Dividenden eher sanken. Gleichzeitig sind diese Aktien mit KGVs von 22 oder mehr bewertet.

Ich möchte übrigens ausdrücklich nicht sagen, dass alle Dividenden Aristokraten schlechte Investments sind, allerdings muss man meiner Meinung nach jede Aktie ganz genau bewerten bevor man in sie investiert. Die Dividendenhistorie gibt dabei natürlich wichtige Hinweise auf die Verlässlichkeit der Firma, allerdings würde ich jederzeit eine Aktie bevorzugen, die erst seit 10 Jahren ihre Dividenden erhöht und dafür ein niedrigeres KGV, starke Wachstumsraten und eine solide Bilanz hat. Auch würde ich z.B. Coca-Cola trotz der Probleme beim Wachstum für ein deutlich niedrigeres KGV kaufen, zur momentanen Bewertung aber eindeutig nicht.

Wer jetzt antwortet, man könnte den Markt eh nicht „timen“, ist bei der Auswahl von Einzelaktien vielleicht falsch aufgehoben? Denn durch die Auswahl einzelner Werte habe ich ja bereits meine Meinung in die Kaufentscheidung einbezogen und müsste dann auch auf den passenden Einstiegszeitpunkt warten anstatt zu jedem Preis zu kaufen. Oder wie seht ihr das?

Ein Gedanke zu „Dividenden Aristokraten“

  1. Es gibt da noch weitere Kennzaheln, das KGV gehört aber ganz oben in die Betrachtung mit rein. Wenn Fundamental alles stimmt sollte man sich auch noch im Chart vergewissern das man nicht in einer Fahnenstange einkauft. Schließlich ist es auch in der Wirtschaft so. Den Gewinn erzielt man durch den Einkauf…

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