ETF Sparpläne oder Einzelaktien?

Ich wurde vor kurzem gefragt, warum ich in Einzelaktien investiere und möchte die Gründe gerne hier festhalten. Generell halte ich ETFs und vor allem Sparpläne darauf für eine sinnvolle Sache, ich persönlich fühle mich aber mit der  direkten Investition in Aktien wohler. Warum eigentlich?

Ganz platt gesagt: Wenn ich die Rendite einer Aktienanlage haben will brauche ich…. Aktien 😉

Ich finde, dass viele Dinge im Leben häufig viel zu komplex betrachtet werden oder teilweise absichtlich verklausuliert dargestellt werden und für mich persönlich ist es immer am einfachsten, möglichst auf einem grundlegenden Level an die Dinge heranzugehen. Wenn ich also vom unternehmerischen Wachstum profitieren möchte, muss ich mich an den Unternehmen beteiligen.

Natürlich bist du über einen ETF auch indirekt an den jeweiligen Unternehmen beteiligt und erreichst durch die große Streuung vieler ETFs auch direkt eine bessere Risikodiversifikation als ich es mit Einzelaktien habe, allerdings bist du nur indirekt an den jeweiligen Unternehmen beteiligt und das bedeutet aus meiner Sicht eine Reihe von Nachteilen:

Du bist auf den jeweiligen Hauptversammlungen nicht stimmberechtigt

Das muss nicht bedeuten, dass ich als direkter Aktionär zu den Hauptversammlungen gehe, allerdings zeigt es meiner Meinung nach einen großen Unterschied ob ich dazu berechtigt bin, die Entscheidungen innerhalb meines (!) Unternehmens mitzutragen oder ob ich dieses Recht an Blackrock oder Deka abtrete.

ETFs bilden den Index 1:1 ab

Du wirst dich fragen, wieso das nun ein Nachteil sein soll, schließlich ist das für die meisten ETF Investoren überhaupt der Grund, in ETFs zu investieren. Ich möchte allerdings nicht Aktionär jeder Firma sein, die in einem Index vertreten ist. Tabakaktien, Rüstungskonzerne und Umweltzerstörer möchte ich nicht im Depot haben. Mir ist bewusst, dass sich bei genauerem Hinsehen bei vielen Unternehmen Leichen im Keller finden lassen, aber ich habe einige Punkte mit denen ich leben kann, während andere für mich ein no-go sind. Und ich möchte diese Entscheidungen gerne selbst treffen. Ein guter Ansatzpunkt ist die Company Exclusion Liste des norwegischen Staatsfonds.

Daneben sind die meisten Indices so aufgebaut, dass sie die Firmen, die in Ihnen enthalten sind, nach Markkapitalisierung gewichten. Das bedeutet unter anderem, teure Aktien werden höher gewichtet. Auch das macht für mich wenig Sinn.

ETFs kosten Gebühren

Obwohl ETFs im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds deutlich kostengünstiger sind, zahlt man in Deutschland z.B. für den größten ETF auf den MSCI World 0,20 % Gebühren. Und zwar nicht auf den Wertzuwachs, sondern auf das gesamte Kapital. Langfristig gilt bei der Rendite für mich: Kleinvieh macht auch Mist.

ETFs sind intransparent

Natürlich ist die Zusammensetzung des jeweiligen Index, auf den sich der ETF bezieht, zu jeder Zeit bekannt, allerdings weiß ich bei synthetischen ETFs oder denjenigen, die sogenanntes Sampling betreiben (also nur die größten Werte des ETF wirklich kaufen) nicht, was ich dort eigentlich alles besitze. Dazu kommen die Wertpapier-Leihgeschäfte, die praktisch jeder ETF heutzutage betreibt.

ETFs können steuerliche Schwierigkeiten bereiten

Vor allem thesaurierende und/oder ausländische ETFs verursachen mitunter einige Arbeit bei der Steuererklärung. Dazu kommen „Patzer“ der herausgebenden Stellen, wie zu hohe Teilthesaurierungen (so dass aus einem Steuer-einfachen ETF ein Steuer-häßlicher wird, ohne dass man dies sieht) oder die falsche Berechnung steuerlicher Grundlagen. Dies ist beides in den letzten Jahren bei iShares (dem größten Anbieter von ETFs in Deutschland) geschehen.

ETFs können geschlossen oder zusammengelegt werden

Dieses Phänomen ist mir mit Fonds in der Vergangenheit mehrfach passiert, bei der Vielzahl an ETFs, die mittlerweile aufgelegt wurden ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier erfolglose ETFs wieder geschlossen werden.

Die ETF Sparplan Konditionen können sich ändern

Dies ist sehr ärgerlich, wenn ein langfristig angelegter Sparplan dadurch plötzlich weg fällt oder die Depotbank 1,5 % Gebühren einbehält weil der Sparplan nicht mehr kostenlos ist und man es als „passiver Investor“ erst nach einem halben Jahr merkt.

Und was ist mit den Risiken von Einzelaktien im Vergleich?

Einzelaktien haben selbstverständlich auch ihre Nachteile und Risiken, hier sind vor allem die Themen Diversifikation, Kosten und Zeitaufwand zu nennen. ich behelfe mir da wie folgt:

Diversifikation mit Einzelaktien

Mein Ziel ist ein großes Depot an Einzelaktien, es dürfen gerne 50 oder mehr werden. Allerdings kann ich über die Jahre sukzessive versuchen, unterbewertete Aktien der jeweiligen Zeit zu finden. Ich bewerte die Aktien vor allem nach einigen Kriterien, die einerseits keine endlose Recherche bedeuten, andererseits aber fundamentale Kriterien berücksichtigen. Trotzdem werde ich in 20 Jahren einige Verlierer im Depot haben, das hat der ETF allerdings auch und über die Diversifikation gleicht es sich in beiden Fällen aus.

Kosten bei der Investition in Einzelaktien

ETF Sparpläne sind häufig kostenlos verfügbar, allerdings ist man dabei vielfach „gezwungen“, den grade kostenlosen ETF auf den gewünschten Index zu verwenden und holt sich damit evtl. synthetische ETF oder ausländische Thesaurierer ins Depot und hat dann entsprechenden Aufwand bei der Steuererklärung. Aktienkäufe kosten Handelsgebühren, allerdings bietet der Direkthandel häufig sehr günstige Konditionen. Bei Depotneueröffnungen bekommt man darüber hinaus häufig Free Trades als Lockangebot und zu guter Letzt möchte ich auf das Free Buy Depot der OnVista Bank verweisen. Wenn du hier einen durchschnittlichen Kontostand von 3.000 € hast bekommst du im darauffolgenden Monat 2 Free Trades. In Zeiten von Nullzinsen ist dies eine gute Möglichkeit, sein Geld „anzulegen“, wenn man alternativ 9,90 pro Trade zahlt entspricht die Freetrade Variante einer Verzinsung von 7,9 % netto. Mit den Freetrades kannst du dann auch für kleinere Beträge Aktien kaufen und darüber mit geringen Summen diversifizieren.



Zeitaufwand bei Einzelaktien

Fairerweise muss ich zugeben, dass Einzelaktien mehr Zeitaufwand bedeuten als ETFs. Mir persönlich macht es allerdings auch Spaß, mir die verschiedene Aktien anzuschauen und zu bewerten, wo mein Geld am besten angelegt ist. Wer weniger Zeit investieren möchte kann aber zum Beispiel einfach die größten Positionen des MSCI World oder des Stoxx Europe unter die Lupe nehmen, damit liegt man für den Anfang nicht verkehrt und kann sich auf wenige Aktien beschränken.

Fazit

ETFs bieten eine gute Möglichkeit zum Einstieg in den Aktienmarkt. ETFs sind auch sehr sinnvoll für Regionen, in denen man schwer direkt investieren kann oder sich nicht auskennt (Schwellenländer). Für mich persönlich überwiegen jedoch die Vorteile von direkten Investments.

2 Gedanken zu „ETF Sparpläne oder Einzelaktien?“

  1. Ein wichtiger Punkt fehlt meines Erachtens: Bei (Aktien-) ETFs muss zumindest grob zwischen den beiden Varianten „physisch replizierend“ und „SWAP-basiert“ unterschieden werden. Dazwischen liegen Welten: Bei den ersten bin ich Eigentümer (ein Vergleich mit Einzelaktien ist grds. möglich, dazu passen dann auch deine Hinweise). Bei der zweiten Variante bin ich in der Gläubigerposition;; mein „Partner“ hat im Grunde eine Wette laufen, aber nicht investiert.

  2. Hallo Thomas,
    danke für deinen Hinweis! Von synthetischen ETFs halte ich persönlich nichts, allerdings lauern auch in physisch replizierenden ETFs einige Fallen, wie Wertpapierleihen oder das sog. Sampling, bei dem nur ein Teil der Aktien des Index wirklich gekauft wird. ETF-Investoren sollten in jedem Fall genau schauen, was sie sich ins Depot holen.
    Meine Punkte im Text oben gelten allerdings sowohl für physische als auch für synthetisch replizierende ETFs.

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