Sind Dividenden die „neuen Zinsen“?

Den Satz „Dividenden sind die neuen Zinsen“ liest man in letzter Zeit häufig. Ich persönlich halte die Aussage für gefährlich.

Zinsen und Dividenden

Dividenden sind keine Zinsen
Dividenden sind keine Zinsen

Bei Zinsanlagen bekomme ich einen festen Zinssatz und am Ende der Laufzeit die angelegte Summe zu 100% zurück. Für kurz- bis mittelfristige Anlagen, bei denen du das Geld in bekannter Höhe benötigst, macht es also Sinn ein (wenn auch mickrig verzinstes) Tagesgeldkonto zu nutzen.

Dividenden sind ein Teil des Unternehmensgewinns welcher an die Aktionäre ausgezahlt wird. Am Tag der Ausschüttung reduziert sich der Kurs der Aktie um exakt den Dividendenwert. Wenn das Unternehmen z.B. 50 % des Gewinns ausschüttet verbleibt aber die andere Hälfte des Gewinns im Unternehmen und kann für Investitionen genutzt werden, hierdurch steigert sich der Wert des Unternehmens und damit auch der Aktienkurs. Wichtig für Dividende und Kurssteigerungen ist aber, dass das Unternehmen auch Gewinne erzielt. So logisch das jetzt klingt, viele Aktienanleger haben diesen entscheidenen Punkt nicht verstanden und stecken ihr Geld in Firmen die eigentlich halb pleite sind, nur weil die Dividendenrendite so schön hoch aussieht (weil der Kurs eben schon länger fällt und fällt) und ärgern sich dann wenn die Dividende ganz gestrichen wird und sie dazu noch auf hohen Kursverlusten sitzen.

Langfristig vs. kurzfristig

Soweit so gut, langfristig besteht also der Ertrag einer Aktie aus Dividenden und Kurssteigerungen (dadurch dass das Unternehmen als ganzes mehr wert wird steigt auch der Wert deiner Anteile, der Aktien). Während die Dividenden in vielen Fällen kalkulierbar sind, schwanken die Aktienkurse kurzfristig jedoch sehr stark. Aktuelle Pressemeldungen beeinflussen den Kurs an einem Tag um 3, 4, 5 oder mehr %. Für eine kurzfristige Geldanlage wie auf einem Tagesgeldkonto sind Aktien daher also nicht geeignet.


Zahlen alle Unternehmen Dividende?

Die Dividende alleine sollte auch kein Auswahlkriterium sein. Es gibt großartige Unternehmen die eine sehr geringe oder gar keine Dividende zahlen und die Unternehmensgewinne komplett in interne Innovationen und Weiterentwicklung reinvestieren, ein gutes Beispiel ist die Firma Berkshire Hathaway von Warren Buffett: Keine Dividende, dafür eine wahnsinnige Kursentwicklung über Jahrzehnte hinweg.

Junge Unternehmen und Start-ups zahlen häufig ebenfalls keine Dividende, sie benötigen die erwirtschafteten Gewinne um zu wachsen. Gelingt dem Unternehmen der große Durchbruch sind dafür enorme Kursgewinne möglich. Aber eben auch hohe Verluste wenn das Geschäftsmodell sich doch nicht als so bahnbrechend wie gedacht erweist.

Was ein gutes Unternehmen ausmacht

Es ist also nicht so, dass eine hohe Dividende ein gutes Unternehmen ausmacht, sondern eher so, dass nur ein gutes Unternehmen mit einem soliden, konservativen Geschäftsmodell es überhaupt schaffen kann, Jahr für Jahr die Gewinne und Umsätze zu steigern und damit die Grundlage hat, um auch die Dividende kontinuierlich zu steigern. Die Dividendenhistorie kann deshalb als Indiz für ein gutes Unternehmen gesehen werden, man muss aber unbedingt wissen, dass man langfristig in Aktien investieren muss und bei der Wahl der richtigen Aktien neben der Dividende unbedingt auch noch weitere Kriterien beachten sollte.

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